Marxistische Abendschule • MASCH •

      Herzlich Willkommen


Mitglied werden!

Auftaktveranstaltung am 26.04.07


... aus der Ansprache zum Veranstaltungsbeginn


Redner: Tilo Schönberg - Mitglied im Vorstand der
Marxistischen Abendschule • MASCH •

Sehr geehrte Damen und Herren, Werte Gäste, Liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Genossinnen und Genossen,

wenn wir Sie heute im Namen des Vereins Marxistische Abendschule • MASCH • hier im Bürgerhaus zu unserer Auftaktveranstaltung begrüßen können, liegt schon fast ein halbes Jahr intensiver Arbeit und Vorbereitung hinter uns. Als ich Ende letzten Jahres gefragt wurde, ob ich bei einer marxistischen Abendschule mitmachen würde, rannte man mit diesem Vorschlag bei mir die, sprichwörtlich, offenen Türen ein.

Warum?
Ich bezeichne mich selbst als politisch links orientierten Menschen und mir sind die Schriften von Marx und Engels nicht fremd. Umso erstaunter war ich, was mir vor allem in den letzten Jahren so alles als sog. Linke und linke Politik vorgestellt wurde. Daher suchte ich für mich bereits nach einem Weg, mir persönlich wieder nahe zu bringen, was ist eigentlich links? Was ist linke Politik? Was muss linke Politik beinhalten. Und die Antwort auf diese Fragen war eigentlich ziemlich simpel: Es geht nicht ohne die Klassiker. Insofern kam die Idee, eine marxistische Abendschule zu gründen, genau zum richtigen Zeitpunkt.

Marxistische Arbeiterschulen gab es bereits in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und ihnen gehörten so bekannte Mitglieder wie Franz Mehring und Bertolt Brecht an, oder was noch viel weniger wissen, Albert Einstein, der zuletzt 1914 in der marxistischen Abendschule Berlin einen Vortrag hielt. Der Leiter dieses Einrichtung war übrigens der Ehemann von - Anna Seghers. Wir befinden uns also mit der Gründung einer marxistischen Abendschule hier im Arbeiterstadtteil Wilhelmsburg in einer guten Tradition.

 

***

Die Lehren von Marx und Engels sind hierzulande aus dem öffentlichen Leben weitestgehend verbannt. Wenn man in den Gazetten und den Feuilletons der Tageszeitungen etwas über Marx und Engels findet, dann sind deren Aussagen meist gänzlich falsch wiedergegeben, oder sie werden gleich ins Lächerliche gezogen, wie etwa in einem Spiegelartikel, bei dem es eigentlich um einen – angeblich – vorhandenen Antiamerikanismus in der Bevölkerung geht. Der Politikchef des Spiegel, Claus Christian Mahlzahn, in früheren Jahren mal angeblich links orientiert und Mitarbeiter der taz Bremen, schreibt:

„Den Wilden Westen kennen wir von Karl May, den wilden Kapitalismus von Karl Marx.“ – das steht so in der letzten März-Ausgabe des Spiegel und da Karl May bekanntlich niemals auf dem amerikanischen Kontinent war, haben wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Marx und Engels gleich mit ins Reich der Märchen verwiesen. Nun, das wurde in diesem Land ja schon öfters versucht, aber so plump wie bei Mahlzahn, hab ich das selten gesehen. Marx kann man verleugnen, man kann über ihn spotten, man kann versuchen, den Marxismus zu verbieten und ihn verächtlich zu machen, aber widerlegen – widerlegen kann man ihn nicht.

Ein Beispiel (nur ein klitzekleines): Marx schreibt in seinem Hauptwerk, daß das Kapital seinen Reichtum vor allem aus unbezahlter Mehrarbeit generiert. Erst letzte Woche hat der Karstadt-Quelle-Konzern beschlossen, 350 der 800 Mitarbeiter seines Logistikzentrums in Leipzig zu entlassen. Die restliche Belegschaft darf den Ausfall durch längere Arbeitszeiten kompensieren, deren Wochenarbeitszeit steigt von 38 auf 42 Stunden. Wenn Sie sich also näher anschauen, woher die „völlig überraschenden“ Gewinnexplosionen unserer, ach so noblen und redlichen, Wirtschaft hierzulande kommen, dann stellen Sie überrascht fest: durch längere Arbeit ohne Lohnausgleich, durch Kürzungen und/oder Streichungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld – eben durch unbezahlte Mehrarbeit! Marx ist hochgradig aktuell und er hat den „wilden Kapitalismus“ exakt beschrieben. Mahlzahn weiß das, deshalb versucht er ihn lächerlich zu machen.

Das ist nur ein Beispiel, wie man hierzulande mit den Erkenntnissen von Marx und Engels umgeht, schon über Jahrzehnte hinweg. Und – so ein Umgang hinterlässt Spuren. Selbst von sog. Linken habe ich in den letzten Jahren hören müssen, Marx wäre nicht mehr aktuell, schließlich lebten wir im Zeitalter des Computers. Dabei ist ein Computer auch nur eine Maschine und über Maschinen z. Bsp. hatte Marx eine Menge zu sagen.
 


***

Wir haben Vorfeld unserer heutigen Veranstaltung und mit der Neugründung einer marxistischen Abendschule im ehrwürdigen Hamburg viel alten Staub aufgewirbelt. Viele von Ihnen werden die peinlichen Worte eines Ralf Dieter Fischer, seines Zeichens Harburger CDU-Chef, in den „Harburger Anzeigen & Nachrichten“ gelesen haben: „Marx ist tot. Ihn auszugraben und zu sezieren macht keinen Sinn.“

Marx ist tot, da hat er Recht. Aber Einstein ist auch tot, Immanuel Kant ist tot, Bertolt Brecht, Heinrich Heine … alle tot. Aber auch wenn Marx tot ist, ist seine Lehre, der Marxismus – die Kritik, und die Betonung liegt auf KRITIK – der politischen Ökonomie des Kapitalismus weiterhin gültig. Und diese Kritik ist bis heute unwiderlegt! Im Gegensatz zu manch linken Kräften hält sich das Kapital nämlich bis heute an die Gesetze, die Marx formuliert hat. Als Beweis möchte ich hier George Sorros anführen, den wohl bekanntesten Börsenspekulanten der Welt, er zitiert Marx ständig in seinen Büchern und unterstreicht damit auch die Gültigkeit der von Marx aufgestellten Gesetze. George Sorros ist mit Marx reich geworden!

Regelrecht entsetzt waren wir hier im Verein, daß wir laut dem Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Heiko Vahldiek, Linksextremisten seien. Im „Harburger Wochenblatt" verstieg er sich sogar zu der Behauptung, wir kämen aus dem orthodox-kommunistischen Bereich und würden linksextremistischen Ideologien verbreiten! Die Aussage ist insofern bemerkenswert, da wir bis heute noch nicht eine einzige Veranstaltung hatten und überhaupt - seit wann ist Marx ein Linksextremist? Das ist, mit Verlaub gesagt, "vahldiekscher Blödsinn". Nach einer Pressemeldung vom Dienstag (22.04.2007) ist in Hamburg die Anzahl rechtsextremistischer Straftaten gegenüber 2005 um 40% gestiegen. Hier hat Herr Vahldiek sicher ein ausreichendes Betätigungsfeld, da kann er Marx ruhig außen vor lassen.

Dies alles zeigt, wie wichtig es ist, das so ein Verein wie die marxistische Abendschule • MASCH • wieder ins Leben gerufen wurde. Die Schriften von Marx und Engels mal wieder im Original in die Hand zu nehmen, darin zu lesen und darüber zu diskutieren – genau das möchten wir tun, zusammen mit Ihnen – wenn Sie wollen. [...] Der Verein hat viel vor und wir brauchen Mitglieder, die Spaß daran haben, hier mitzumachen, Machen Sie mit! Bringen sie sich ein! Ein Verein lebt nur durch seine Mitglieder ...



© 2007 - 2008 marxistische-arbeiterschule.de