Hamburg: Marxistische Abendschule gegründet
Eröffnungsveranstaltung im März. Rolf Becker liest aus dem Kommunistischen Manifest
von Andreas Grünwald
Als überparteilicher Bildungsverein, dessen Zweck »im Studium und der Verbreitung des Marxismus-Leninismus« besteht, hat sich am Mittwoch abend in Hamburg eine Marxistische Abendschule (MASCH) gegründet.
Es ist eine bunte Schar, die sich der Verbreitung des Marxismus widmen will: Leute von der WASG, parteilose Gewerkschafter und Betriebsräte, frühere Aktivisten des Kommunistischen Bundes und der Grün-Alternativen Liste, einige Jungsozialisten, aber auch iranische und türkische Kommunisten. Mit von der Partie sind auch der Schauspieler Rolf Becker, der Gesamtbetriebsratschef der Hafenarbeiter und DKP-Mann Bernt Kamin, der ver.di-Schwerbehindertenvertreter Detlef Baade und Ronald Wilken, Ortsvorsitzender des Sozialverbandes im Stadtteil Wilhelmsburg. 50 Mitglieder haben sich dem Verein bereits angeschlossen.
»Wir brauchen Marx, um zu verstehen, warum nicht nur der Reichtum, sondern auch die Armut wächst und warum diese Begriffe doch gleichzeitig die Gesetzmäßigkeiten kapitalistischer Entwicklung nur unzureichend erklären«, sagt einer, der früher Mitglied in der von Ernst Aust 1968 gegründeten KPD/ML war. Direkt neben ihm sitzt ein alter DKP-Genosse, der fragt, was »Globalisierung« eigentlich bedeute. Er verweist auf die »Verwirrung der Begriffe«, welche die Linke perspektiv- und handlungsunfähig mache. Schnupperkurse zum Kommunistischen Manifest will die neue MASCH anbieten, auch solche zu den Grundlagen kapitalistischer Ökonomie und der Marxschen Arbeitswertlehre. Geplant sind auch Lesezirkel zu »Lohn, Preis und Profit«, dem legendären Vortrag, den Marx 1865 vor dem Generalrat der I. Internationale hielt.
In Wilhelmsburg, einem traditionellen Arbeiterstadtteil, der heute zu den sozialen Brennpunkten in Hamburg gehört, und nicht an der Uni, soll die Auftaktveranstaltung der neuen MASCH stattfinden, voraussichtlich im März. Rolf Becker liest aus dem Kommunistischen Manifest, die Organisatoren rechnen mit großem Andrang. Im April starten die ersten Kurse in deutscher, persischer und türkischer Sprache. »Wir brauchen eine neue Einheit der marxistischen Kräfte«, sagt MASCH-Mitbegründerin Inge Humburg, »aber auf revolutionärer Grundlage.«

